
EinDollarBrille e.V.
Founded: 2012
Martin Aufmuth war Mathematik- und Physiklehrer, als er anfing, an einer Brille zu basteln, die sich ohne Strom herstellen lässt. Heute wird sie in elf Ländern gefertigt und verkauft — von Menschen, die davon leben.

Rund 950 Millionen Menschen sehen schlecht und haben keine Brille. Nicht, weil es keine Brillen gäbe — sondern weil in ihrer Region niemand die Sehstärke misst und niemand eine Brille verkauft, die sie sich leisten könnten. Laut WHO fehlen weltweit über 65.000 augenoptische Fachkräfte.
Aufmuth las 2010 in einem Buch, eine bezahlbare Brille sei eine der letzten großen offenen Erfindungen für den globalen Süden. Sein erster Gedanke: Schade, dass sich niemand darum kümmert. Dann las er weiter. Seine Frau war es, die ihn dazu brachte, es selbst zu versuchen.
Er experimentierte im Keller seines Erlanger Reihenhauses, bis der erste Prototyp aus Federstahl fertig war — und die Vorrichtung, mit der man ihn biegt.
Die Brille besteht aus Federstahldraht, zwei Gläsern und etwas Schrumpfschlauch. Gebogen wird sie auf einer Maschine, die auf einen Tisch passt und keinen Stromanschluss braucht. Drei Farbmarkierungen legen die Größe fest: Gelb für schmale Gesichter, Rot für mittlere, Blau für Menschen mit großem Augenabstand.
Einfach heißt nicht anspruchslos. Bei einer einzigen Fassung lassen sich rund 30 Fehler machen — deshalb ist das letzte Ausrichten von Hand der wichtigste Schritt. Wer das kann, hat einen Beruf gelernt.
2011 flog Aufmuth mit einer dieser Maschinen im Gepäck nach Uganda, um herauszufinden, ob die Idee auch außerhalb seines Kellers funktioniert. Sie funktionierte. Im Juni 2012 gründete er mit Kolleginnen aus dem Lehrerzimmer den Verein.

Im April 2022 eröffnete in Lima eine neue Produktionsstätte. Das Besondere: Im Team arbeiten ausschließlich alleinerziehende Frauen aus den Pueblos Jóvenes, den wüstenartigen Außenbezirken der Stadt.
Eine von ihnen ist Raquel. Vorher schälte sie Knoblauch für einen Lohn, von dem sie ihre Kinder kaum ernähren konnte. Heute fertigt sie Brillen. Sie biegt Federstahl, kontrolliert Fassungen, richtet sie aus, bis sie sitzen. Sie hat ein regelmäßiges Gehalt und ein wichtiges Handwerk erlernt.
Das ist der Punkt, an dem aus einer guten Erfindung ein System wird: Die Maschine stellt nicht nur eine Brille her. Sie stellt einen Arbeitsplatz her.

In der Produktion in Burkina Faso arbeitet seit mehreren Jahren ein Mann namens Constant. Er ist blind.
Er stellt Brillen her. Weil die Biegemaschine ohne Strom und ohne Bildschirm auskommt und mit Blindenschrift gekennzeichnet ist, reichen die Hände, um sie zu bedienen — und Constant beherrscht sie.
Man kann eine Erfindung daran messen, wie viele Menschen sie ausschließt. Diese hier schließt kaum jemanden aus.
Schaut euch an, was Constant dazu sagt: When clicked, this video is loaded from YouTube servers.
Der Name führt in die Irre: Ein Dollar sind die Materialkosten, nicht der Preis. Verkauft wird die Brille für wenige Dollar — von "GoodVision Technicians" (GVT), die vor Ort ausgebildet werden und davon leben.
Der Verkauf ist kein Detail, sondern der Kern der Sache. Eine gekaufte Brille ist eine Investition in die Zukunft und wird wertgeschätzt. Eine verkaufte Brille bedeutet auch: Es gibt ein professionelles Team, das Sehtests macht, das nachjustiert, das Ersatz liefert — und das nach ein paar Monaten wieder vor Ort sein wird.
Der Preis bemisst sich nach der Zahlungsfähigkeit der Menschen und danach, wie viel die Brille zum Leben des einzelnen beitragen wird. In der Regel werden ein bis zwei Tageslöhne bezahlt.
Die Ausbildung zur augenoptischen Fachkraft dauert ein Jahr. Nach wenigen Wochen können die Auszubildenden einen einfachen Sehtest sicher durchführen und eine Brille anpassen; danach folgen Praktikum, Theorie und ein halbes Jahr in einem bestehenden Team. Das Lehrbuch dafür wurde in zahlreiche Landessprachen übersetzt, unter anderem ins Oriya, das im indischen Odisha gesprochen wird.

Zu den Augencamps in den Dörfern Indiens kommen regelmäßig Menschen, denen kein Sehtest und keine Brille mehr hilft. Sie sind fast oder vollständig erblindet — meist am grauen Star, dem Katarakt, bei dem sich die Augenlinse eintrübt. Weltweit verlieren rund 100 Millionen Menschen dadurch ihre Sehkraft, über 17 Millionen sind bereits am grauen Star erblindet. Das sind vier von zehn Blindheitsfällen auf diesem Planeten.
Das Gute daran: Es ist heilbar. In Deutschland wird die Linse rund 800.000 Mal im Jahr ersetzt, ambulant, als einer der häufigsten Routineeingriffe überhaupt, bezahlt von der Krankenkasse. Wer aber zum Beispiel in Odisha lebt, erblindet trotzdem — weil niemand die Diagnose stellt, weil die Klinik zu weit weg ist, weil das Geld fehlt.

Seit 2021 organisiert das Team des Partners Care Netram genau das, was dazwischen liegt: die Aufklärung im Dorf, den Transport zur Klinik, die Operation, die Nachsorge. Inzwischen sind es rund 250 Operationen im Monat. Eine Operation kostet etwa 50 Euro.
Eine davon bekam Pankajini Pradhan. Sie war 18 und hatte vier Jahre lang zugesehen, wie ihr Sehvermögen verschwand — eine Krankheit, die eigentlich erst in der zweiten Lebenshälfte auftritt. Das Team klärte sie auf und bot ihr die Behandlung kostenlos an. Nun kann sie wieder normal sehen.

| 1.100.000+ | Menschen haben weltweit eine EinDollarBrille bekommen |
| 11 | Programmländer in Afrika, Asien und Südamerika |
| 500+ | Menschen arbeiten vor Ort für das Projekt und ihre Communities |
| 950 Mio. | Menschen in aller Welt bräuchten eigentlich eine Brille |
„Das Ziel war eine Brille, die robust ist und sehr günstig in der Herstellung." — Martin Aufmuth

Martin Aufmuth wurde unter anderem mit der Bayerischen Staatsmedaille und dem ersten Preis der Siemens Stiftung ausgezeichnet.
Du zahlst keinen Cent mehr als sonst. Du startest deinen Einkauf über donista, kaufst beim gleichen Shop zum gleichen Preis — und 80 % der Provision, die der Shop uns zahlt, gehen an EinDollarBrille. Schon ein neuer DSL-Vertrag kann so viel einbringen, wie eine Operation des grauen Stars kostet. Schon ein einziger Einkauf kann jemandem das Augenlicht zurückgeben.
Kein Dauerauftrag. Keine Kündigungsfrist. Kein zusätzlicher Schritt.
Aus Marketingbudget wird Federstahl.
EinDollarBrille e.V. hat sein Hauptquartier in Erlangen und ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Das DZI bewertet die Ausgabenstruktur des Vereins. Es stuft Werbe- und Verwaltungsausgaben zwischen 20 und 30 % als vertretbar ein — EinDollarBrille liegt mit 20,6 % am unteren Rand dieses Bereichs. Das negative Betriebsergebnis 2024 entsteht durch geplanten Einsatz von Rücklagen für den Programmausbau.
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Finanzbericht 2024:
| Position | 2024 |
|---|---|
| Einnahmen | 6,655 m€ |
| Ausgaben | 7,443 m€ |
| Betriebsergebnis | -0,788 m€ |
Werbung und Verwaltung: 1,532 m€ = 20,6 % der Ausgaben und 23% der Einnahmen.
All figures refer to the most recently reported fiscal year.